TOP Ö 2.2: Erweiterung und Fassadengestaltung des Altbaus des Beruflichen Schulzentrums Garmisch-Partenkirchen - Sachstandsbericht

Beschluss: Zur Kenntnis genommen

I. Grund und Anlass der Behandlung

 

Das Berufliche Schulzentrum in Garmisch-Partenkirchen vereint die staatliche Berufsschule, die staatliche Wirtschaftsschule und die Berufsfachschule für kaufmännische Assistenten des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Die Schule wurde an diesem Standort 1972 eröffnet und 1989 umfangreich erweitert. Im Jahr 2006 kam die staatliche Wirtschaftsschule hinzu, im Zuge dessen wurden Anpassungsmaßnahmen im Neubau vorgenommen und eine zweite Lehrküche eingebaut.

 

Wie Sie wissen, soll das Gebäude den heutigen Erfordernissen angepasst und zugunsten zusätzlicher Unterrichtsräume teilweise aufgestockt werden. Neben weiteren Maßnahmen soll im Erdgeschoss auch eine  Mensa entstehen. Der Neubau wird nur leicht angepasst.

 

Mittlerweile ist die Entwurfsphase abgeschlossen und Ende Oktober konnten uns die beauftragten Planer – endlich – auch die erste Kostenberechnung übermitteln. Diese benötigen wir auch für die Haushaltsberatungen. Ebenso wird der zeitliche Bauablauf nun immer konkreter.  

 

Wir nehmen dies zum Anlass, Ihnen die aktuelle Planung, die Kosten der Baumaßnahme und die weitere  Vorgehensweise zu erläutern.

 

 

 

II. Sach- und Rechtslage

 

 

1.   Beschlusslage

 

Am 03.02.2015 hat der Schulausschuss die Verwaltung beauftragt, auf der Basis des schulaufsichtlich genehmigten Raumprogramms die notwendigen Planungs- und Bauleistungen zu vergeben. 

 

Ein Jahr später, also am 03. Februar 2016, hat der Ausschuss die Auslobung des Architektenwettbewerbs beschlossen, dessen Ergebnisse am 07.07.2016 im Kreisausschuss vorgestellt wurden.

 

Die Baumaßnahme Berufsschulzentrum haben wir zuletzt im Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss am 18.07.2017 vorgestellt, jedoch mit dem Schwerpunkt Klimaschutzmaßnahmen.

 

Darüber hinaus haben wir mehrfach sowohl den Schulausschuss als auch den Kreistag über den Stand der  Planung informiert.

 

 

 

 

2.   Bestandsbau und Anforderungen

 

Der Altbau aus den frühen 1970er Jahren ist als zwei-, teilweise als dreigeschossiger Flachdachbau konzipiert. Das Umbaukonzept sieht die Aufstockung des kompletten, derzeit zweigeschossigen nordöstlichen Bauteils in Leichtbauweise vor. Außerdem soll die Aula des Erdgeschosses zu einer Mensa erweitert werden. 

 

Die nicht gedämmte Fassade befindet sich weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand mit den  typischen Mängeln der damaligen Bauzeit. Sie ist mit einem Strukturputz versehen und die Fenster sind in Aluminium mit einem außenliegenden Sonnenschutz ausgeführt. Da die Fassade den heutigen energetischen Anforderungen und den Bedürfnissen der Nutzer nicht mehr gerecht wird, soll ein Sonnenschutz und Möglichkeiten zur Lüftung vorgesehen werden. Nutzungstechnisch muss der gesamte Altbau auf einen modernen Stand gebracht werden.

 

 

3.   Klimaschutzmaßnahmen

 

Im Hinblick auf den Klimaschutz und den Energieverbrauch wird das Gebäude auf den Stand der Energie-Einsparungsverordnung (EnEV) aus dem Jahr 2016 gebracht. Die gesamte Gebäudehülle, auch die Kellerdecke und die oberste Geschossdecke müssen gedämmt werden. Die gesamte Beleuchtung wird durch LED in Kombination mit Bewegungsmeldern ersetzt. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach kann die Spitzenlast am Vormittag abdecken, der verbleibende Überschuss kann in das Netz eingespeist werden. Alle Maßnahmen sollen die Energiebilanz spürbar verbessern und zum Klimaschutz beitragen. Das gesamte Gebäude ist darüber hinaus seit dem Frühsommer 2017 an das Fernwärmenetz angeschlossen, die Inbetriebnahme erfolgt in den nächsten Tagen.

 

Im Hinblick auf die Lüftung haben wir entschieden, auf jegliche technische Hilfsmittel zu verzichten. In Abstimmung mit der Berufsschule  soll vielmehr eine normale Fensterlüftung eingebaut werden, die während der Unterrichtszeiten ein diszipliniertes und regelmäßiges Lüften erfordert. Dies spart später vor allem Wartungs- und Reparaturarbeiten.

 

 

 

4.   Planungsfortschritt

 

Die Entwurfsphase ist seit einigen Wochen abgeschlossen. Das berufliche Schulzentrum soll zukunftsfähig werden. Es soll auch im Vergleich zu anderen beruflichen Schulen so attraktiv und konkurrenzfähig sein, dass die Schule eventuell sogar neue Berufszweige hinzugewinnen kann, zumindest aber keine Berufszweige abgeben muss. In enger Abstimmung mit der Schule sind daher auch die Grundrisse und die Raumaufteilung den heutigen Erfordernissen angepasst worden.

 

Neu vorzuhalten ist die Mittagsverpflegung wegen des Ganztagesunterrichts. Die Mensa wird im Bereich der Aula eingebaut und flexibel bestuhlt. Dies wird auch größere Schulveranstaltungen ermöglichen. Von der Mensa aus können die Schüler auch  im Freien, nämlich am Flussufer der Partnach, Pause  machen.

 

Im Gebäudekern müssen die Umkleiden, die Sanitärbereiche sowie die Installationsbereiche aufgrund neuer Anforderungen umgebaut werden. Die Fachklassenbereiche werden an moderne Bedürfnisse angepasst.

 

Im ersten Obergeschoss wird die Gastronomieküche im Zusammenhang mit dem Servierbereich umstrukturiert. Nicht mehr benötigte Fachklassenräume werden umfunktioniert.

 

Im zweiten Obergeschoss soll an der Nord-Ost-Ecke die Aufstockung erfolgen, die Schnittstellen müssen entsprechend angepasst werden. Die Gastronomieküche muss aufgrund neuer Sicherheitsabstände umgebaut werden und erhält einen Restaurantbereich. Es entstehen drei neue Klassenräume sowie ein Fachklassenraum für Bäckereifachverkäuferinnen.

 

 

Barrierefreiheit

 

Seit 2013 ist die DIN 18040 Teil 1 „Barrierefreiheit für öffentlich zugängliche Gebäude“ in Bayern eingeführt. Seit diesem Zeitpunkt muss auch bei Umbauten die Barrierefreiheit berücksichtigt werden. Weil kein Aufzug vorhanden ist, die Aula einige Stufen tiefer liegt und vor allem weil kein einziger Zugang zu den Klassenräumen im Altbau diesen Anforderungen entspricht, sind sehr umfangreiche Umbauten notwendig. Im Erdgeschoss müssen fast alle Innenwände abgebrochen und versetzt werden.

 

 

Brandschutz

 

Aus brandschutztechnischer Sicht müssen die baulichen Rettungswege angepasst werden. Die nordwestliche Fluchttreppe ist zu schmal und muss durch eine neue Treppe ersetzt werden. Fast alle Türen müssen ausgetauscht werden. Der Lichthof im Bereich der Aula wird angepasst. Die Zwischendecken sind teilweise als Beton-Rippendecken ausgeführt und entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Diese Deckenbereiche müssen aufwändig ertüchtigt werden.

 

 

Baukonstruktion

 

Die genauen Voruntersuchungen haben ergeben, dass die teilweise hohen Grundwasserstände an der Partnach zu Problemen mit den Grundleitungen führen und immer wieder Wasserschäden durch Rückstau verursachen. Daher müssen die Grundleitungen ausgetauscht werden. Der Altbau ist nur teilweise für Technikräume unterkellert. Im Bereich der Aufstockung hat sich herausgestellt, dass trotz der Leichtbauweise die Punktfundamente im Uferbereich der Partnach nicht sicher tragfähig sind. Dieser nicht unterkellerte Bereich muss aus statischen Gründen nachgebessert werden.

 

 

Fachplanungen

 

In den allgemeinen Unterrichtsräumen können wir auf eine Lüftungsanlage verzichten,  für die Gastronomieküchen muss aber eine Lüftungsanlage eingebaut werden. Sämtliche Elektroinstallationen und die Beleuchtung werden erneuert und die gesamte Wärmeversorgung wird ausgetauscht.

 

 

Kosten

 

Alle diese Maßnahmen sind nun in der Kostenberechnung zusammengefasst. Sie beinhaltet sämtliche Kosten für die zusätzliche Erschließung, für das Bauwerk, für die technischen Anlagen und für die Außenanlagen. Die Summe der Baukosten liegt danach bei knapp 17,5 Mio. €. Rechnet man Steigerungen des Baupreisindex von 2 % bis zum Baubeginn 2018 hinzu, und berücksichtigt man zudem die zu erwartenden  Nebenkosten und Planungshonorare in Höhe von etwa 25% sowie die Mehrwertsteuer , dann muss der Landkreis nach heutigem Stand mit Gesamtkosten von knapp 26 Mio. € rechnen. Dazu kommen  noch die Kosten für lose Ausstattung, über die wir heute noch keine Aussagen treffen können.

 

Die Kosten für die vorübergehende Auslagerung der Klassenräume in Container werden separat ermittelt. Die Planungs- und Baukosten sowie die Kosten für den Kauf oder die Miete solcher Container sind bislang mit rund 2 Mio € veranschlagt. Darüber haben wir den Kreisausschuss bereits am 18.05.2017 und den Kreistag am 27.07.2017 informiert.

 

 

Bauablauf

 

Als erste Maßnahmen werden im Neubau noch in diesem Schuljahr Räume, die als Werkstätten oder als Lehr- bzw. Reparaturbereiche verwendet werden, zu Klassenräumen ertüchtigt.

 

Der ursprünglich geplante Bauablauf ist nach wie vor aktuell. Die eigentlichen Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen beginnen in den Sommerferien 2018.  Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein und der Umzug soll in den Oster- oder Pfingstferien erfolgen.