TOP Ö 3: HotSpot-Projekt Alpenflusslandschaften im Landkreis Garmisch-Partenkirchen
- Sachstandsbericht -

Beschluss: Zur Kenntnis genommen

I.             Grund (Anlass) der Behandlung

 

Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist neben 17 weiteren Verbundpartnern am HotSpot-Projekt „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ beteiligt, Träger ist der WWF Deutschland.

Dieses Projekt hat zum Ziel, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für den Wert der Lebensräume an Lech, Ammer, Loisach und Isar zu stärken und die einzelnen Akteure miteinander zu vernetzen.

Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist mit folgenden Teilprojekten an dem Vorhaben beteiligt:

·        Kulturlandschaftsplan mit Biodiversitäts-Check

·        Erhaltung und Wiederansiedelung des Alpen-Knorpellattich

·        Hydrologische Sanierung an Ramsach / Rechtach im Murnauer Moos

In der heutigen Sitzung möchten wir Sie über den aktuellen Stand dieser Projekte informieren.


 

II. Sach- und Rechtslage

 

Die Finanzierung dieses Projektes erfolgt zu 75 % über Bundesmittel und zu 15 % über Mittel des Bayerischen Naturschutzfonds, die restlichen 10 % trägt der Landkreis.

Insgesamt sind derzeit Finanzmittel in Höhe von etwa 530.000 € für die drei Teilvorhaben des Landkreises vorgesehen.

 

Kulturlandschaftsplan mit Biodiversitäts-Check:

Ein Hauptziel des HotSpot-Projektes ist es, mehr Bewusstsein in der breiten Bevölkerung für die besondere Naturwerte in den vier beteiligten Landkreisen zu schaffen.

Auf die Einstellung und das Wissen der Landwirte kommt es dabei ganz besonders an.

Die Erfahrungen in der täglichen Naturschutzarbeit des Landratsamtes und auch im Rahmen des Almprojektes Oberbayern haben gezeigt, dass es sich immer gelohnt hat, wenn sich Landwirte und Fachleute des Naturschutzes die Zeit genommen haben, um konkret und gründlich über Flächen, Bewirtschaftung, Probleme und Förderung zu sprechen. Als Beitrag zu HotSpot wurde deshalb ein Projekt konzipiert, das landwirtschaftlichen Betrieben gründliche naturkundliche Informationen zu deren Flächen zur Verfügung stellen soll. Außerdem sollen kulturtechnische Lösungen z. B. für Probleme bei der Bewirtschaftung aus Sicht der Landwirtschaft und des Naturschutzes erarbeitet werden. Ergebnis ist ein „Kulturlandschaftsplan“, der als Maßnahmen nur das ausarbeitet und vorschlägt, was im gemeinsamen Gespräch beschlossen worden ist.

Der Auftrag ging an Michaela Berghofer. Sie ist eine in Landschaftspflege-Angelegenheiten sehr erfahrene Expertin und derzeit Leiterin des Landschaftspflegeverbandes Lindau, stammt aber aus dem Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

 

Das Vorhaben ist in verschiedene Phasen gegliedert:

Phase 1 im Jahr 2016 war der grundsätzlichen Konzeption des Projektes gewidmet. Die Auftragnehmerin hat die Beratungsansätze verschiedener Institutionen verglichen und die besten Ansätze ausgewählt sowie Erhebungsbögen und ein Muster für einen Bericht entworfen.

 

Phase 2 lief im Jahr 2017. Fünf Modellbetriebe unterschiedlichster Größe und Lage haben sich bereit erklärt, einen Probelauf durchzuführen, um Erfahrungen zu sammeln. 

Wir stellen nun exemplarisch den Entwurf für einen Kulturlandschaftsplan eines Betriebes in der Gemarkung Partenkirchen vor. Er soll auch noch dem Bauernverband vorgestellt werden. Nach dessen Billigung sollen im nächsten Jahr 25 weitere Betriebe folgen (Phase3).

 

Erhaltung und Wiederansiedelung des Alpen-Knorpellattich:

Der Alpen-Knorpellattich ist eine bayernweit vom Aussterben bedrohte Pflanzenart, die auf Flusskiesbänken im südbayerischen Raum früher relativ weit verbreitet war. Die Art gehört zur Gruppe der Korbblütler und ist damit weitschichtig u. a. mit dem Löwenzahn verwandt; die Pflanze ist aber stark verzweigt mit zahlreichen kleinen, gelben Blüten.

Durch den Flussausbau, die Anlage von Staustufen und andere wasserbauliche Eingriffe ist die Art in Bayern extrem selten geworden. Der landesweit (trotz gezielter Suche) letzte bekannte Wuchsort ist das Friedergries nördlich von Griesen.

Um ein völliges Aussterben der Art in Bayern (und damit in ganz Deutschland) zu verhindern, wurde zunächst der Restbestand im Friedergries untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass das dortige Vorkommen immerhin so groß ist, dass ein Verschwinden im Friedergries kurzfristig nicht zu befürchten ist. Da aber bei einem einzelnen Bestand mittel- bis langfristig immer ein gewisses Aussterberisiko besteht (z. B. bei extremen Witterungsereignissen), wird versucht, an der Isar ein zweites Vorkommen zu etablieren. Hier kam die Art nachweislich bis vor wenigen Jahrzehnten vor und es gibt mehrere Stellen, die als Wuchsort geeignet erscheinen. 2016 wurden deshalb Samen aus dem Friedergries entnommen, zu Jungpflanzen herangezogen und 2017 an der Isar unterhalb Wallgau ausgepflanzt. Die bisherige Bestandsentwicklung verläuft positiv, so dass gute Chancen bestehen, dass der Alpen-Knorpellattich auch an der Isar wieder heimisch wird.

 

Hydrologische Sanierung an Ramsach / Rechtach im Murnauer Moos:

Im zentralen Murnauer Moos hat sich seit einigen Jahrzehnten zwischen der Ramsach und der Rechtach ein Zustand eingestellt, der nicht nur aus ökologischer Sicht ungünstig ist, sondern auch von Landwirten und der Fischerei beklagt worden ist. Durch den Ausbruch der Ramsach kam es zur Verschlammung und Eutrophierung wertvollster Moorvegetation. Auch drohen die sogenannten Schilfseen als Folge des „Ramsachdurchbruches“ zu verlanden.

 

Hierbei handelt es sich um eine der ganz zentralen und ungelösten Fragen im Naturschutzgebiet Murnauer Moos. Die Zeit schien nun - nach den ganz erheblichen Vorarbeiten des Landkreises im Zuge des Murnauer-Moos-Projektes und späterer historischer Analysen - reif, sich mit dem Thema zu befassen.

Es ist zunächst zu klären, wie es zu diesem massiven Ausbruch des Ramsachwassers gekommen ist und in einem zweiten Schritt, ob und wie dieser eventuell rückgängig gemacht werden kann. Hierfür ist in einem ersten Schritt eine Machbarkeitsstudie notwendig. Dann sollen mögliche Alternativen verglichen und mit den Beteiligten (besonders der Landwirtschaft, der zuständigen Gemeinde und der Wasserwirtschaft) beraten werden. Am Ende würde ein wasserrechtliches Verfahren erforderlich.

Da es sich um ein technisch und naturschutzfachlich sehr anspruchsvolles Vorhaben handelt, sind vor Umsetzung jeglicher Maßnahmen gründliche Vermessungen, Planungen und Überlegungen erforderlich, die auch Geld kosten werden.

 

Im HotSpot-Förderprojekt konnten 2017 mehrere Aufstockungsanträge gestellt werden. Da der Oberbegriff „Alpenflusslandschaften“ lautet, reichte das Landratsamt „zur Fristwahrung“ und unter Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Kreisgremien im April 2017 einen Projektantrag beim Bund ein, der mit Bescheid vom August 2017 gebilligt worden ist.

Nach dem Vorliegen der Machbarkeitsstudie ist eine gründliche Vorstellung im ULAS vorgesehen.